|
|
|
|
|
|
Helmert, Friedrich Robert,
geb. 31.07. 1843 in Freiberg, gest. 15.06. 1917 in Potsdam. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule Dresden, 1867 Promotion in Leipzig. 1870 erst Lehrer, dann 1872 Professor der Geodäsie an der neugegründeten Technischen Hochschule Aachen. Dort schrieb er sein Hauptwerk "Die mathematischen und physikalischen Theorien der Höheren Geodäsie" (2 Bände, Leipzig 1884). 1886 wurde Helmert nach Berlin berufen als Direktor des Preußischen Geodätischen Instituts und des Zentralbüros der Internationalen Erdmessung sowie als Professor an der Universität. 1892 zog er mit dem Geodätischen Institut und dem Zentralbüro in das neue Gebäude auf dem Telegraphenberg in Potsdam. Helmert regte eine Fülle von Untersuchungen seiner Mitarbeiter im Geodätischen Institut an, die er mit Rat und Tat und seinem wissenschaftlichen Weitblick begleitete. Dazu gehören: die Bestimmung der Lotabweichungen im Harz, die Absolutmessung der Schwerebeschleunigung in Potsdam und die von O.Hecker ausgeführten Schweremessungen auf See. In glücklicher Weise verband Helmert das Interesse an instrumentellen Verbesserungen mit dem an einer zusammenfassenden mathematischen Theorie. So führte er bei den Gradmessungsarbeiten sowohl die Übertragung der Zeitzeichen durch Radiowellen ein als auch die Ausführung großer Rechenprogramme für die Potential- und Ausgleichsrechnung. Die Gestaltselastizität der Erde bestimmte er aus der Beobachtung der Erdgezeiten, der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erdbebenwellen und aus den Polhöhenschwankungen. Quelle: Technische Universität Braunschweig |
|
|
|
|
|
Hans Weise
Helmerts Grab- und Gedenkstätte Dieser Artikel soll weder ein später Nachruf noch eine Würdigung seiner Leistungen sein, denn dafür besteht kein zeitlicher Anlass. Es ist vielmehr das Bedürfnis eines ehemaligen Mitarbeiters des Geodätischen Instituts Potsdam, jene Geschehnisse schriftlich zu fixieren, die sich in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg zugetragen haben und nicht einer gewissen Tragik entbehren. Wenn diese Aufzeichnungen nicht jetzt erfolgen, so werden sie für die interessierte Nachwelt verloren sein. ------------------------------------------------------------------------------------------------------- Am 15. Juni 1917 verstarb der große Gelehrte Friedrich Robert Helmert an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter vonnahezu 74 Jahren in Potsdam. Die Geodäsie verlor damit den profiliertesten Wissenschaftler der damaligen Zeit. In einem Zeitraum von 50 Jahren hatte er als Lehrer und Forscher gewirkt und sich große Verdienste erworben, die internationale Anerkennung fanden und deren Bedeutung bis zum heutigen Tage erhalten ist. Als ich im Jahre 1952 in das berühmte Geodätische Institut in Potsdam als wissenschaftlicher Mitarbeiter eintrat - jener Wirkungsstätte, die wie keine andere mit Helmerts Namen verbunden ist - fand ich es bemerkenswert, dass keiner der dort seit Jahrzehnten tätigen Wissenschaftler das Grab von Helmert kannte. Es mag dies damit erklärbar sein, dass die fünf Professoren allesamt anderen Disziplinen (Mathematik, Geophysik, Astronomie und Technische Physik) angehörten und in erster Linie dem wissenschaftlichen Werk Helmerts und weniger seiner Person verbunden waren. Ohne nennenswerte Schwierigkeiten konnte dann das Grab auf dem Alten Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee ausfindig gemacht werden. Es trägt die Bezeichnung Wahlstelle Qu 13a, Reihe 12, Nr. 22 und seine örtliche Lage war aus alten Friedhofsakten gut rekonstruierbar. Der Grabstein aus schwarzem Marmor war mit schweren Eisenketten umrandet, von Efeu überwachsen und enthielt folgende Inschrift:
Die Neugestaltung des Alten Friedhofs erforderte auch die Beseitigung alter Gräber; das ist verständlich. Als das Zentralinstitut für Physik der Erde, das aus dem Geodätischen Institut hervorgegangen war,von diesem Vorhaben erfuhr und nach dem Grab schaute - war es schon beseitigt! Weder bezahlte Friedhofsgebühren noch denkmalpflegerische Vorsätze vermochten jetzt an diesem Tatbestand etwas zu ändern.Um genau zu sein: Es hatte keine Exhumierung stattgefunden, sondern nur die oberirdischen Grabzeichen (Stein und Ketteneinfassung) waren mit Räumgerät zerstört worden und blieben bei den angestellten Nachforschungen unauffindbar. In gemeinsamen Beratungen mit der Abt. Denkmalpflege der Stadt Potsdam und der Friedhofsverwaltung wurde nach einer Lösung in dieser misslichen Situation gesucht. Die Friedhofsverwaltung bezeichnete die stattgefundenen Maßnahmen als ein bedauerliches Versehen" und erklärte sich bereit, die Kosten zur Anfertigung eines neuen Grabsteins zu tragen. Um auch die Friedhofsbesucher auf die Bedeutung von F. R. Helmert hinzuweisen, die ja allgemein unbekannt ist, entschloss sich die Leitung des Instituts statt eines neuen Grabsteins nunmehr einen Gedenkstein anfertigen zu lassen. Es war beschlossen worden, den Gedenkstein in geeigneter Form in die Neugestaltung des Alten Friedhofs einzubeziehen". Als aber dann der Gedenkstein an der ursprünglichen Stelle aufgestellt werden sollte, wurde dies aus denkmalpflegerischen Gründen dort untersagt. Nur eine originalgetreue Kopie könnte an der eigentlichen Grabstelle geduldet werden, so ließ man uns wissen. Daraufhin wurde auf der Grundlage alter Photos der ursprüngliche Grabstein kopiert und bei einem Steinmetz in Auftrag gegeben, der auch in der Lage war, den Duktus der Frakturschrift nachzuvollziehen. Dieser zweite "neue" Grabstein aus schwarzem schwedischen Granit ist als eine gelungene Kopie des Originals zu bezeichnen. Die Kosten mussten vom Institut getragen werden; die Aufstellung erfolgte aber in Regie der Friedhofsverwaltung und wir wurden vom Vollzug benachrichtigt. Wir waren mehr als erstaunt, als wir den uns zugewiesenen Platz für Helmerts Grabstein besichtigten. Es war eine schmale Stelle an der nordwestlichen Friedhofsmauer in zweiter Reihe hinter anderen Grabzeichen. Ein denkbar ungünstiger Standort, der für eine repräsentative Würdigung bei entsprechenden Anlässen (z.B.Kranzniederlegungen) keinen Raum bot. Damit war ein Tatbestand geschaffen worden, der nicht akzeptabel war und abgelehnt werden musste. Wir bestanden jetzt darauf, den Grabstein nunmehr auch dem Grab zuzuordnen. Was schließlich auchgeschah. Im Oktober 1981 konnte endlich der neue Grabstein am Grab von F. R. Helmert seinen Platz finden. Der Urzustand war somit wieder hergestellt. Um auch für fernere Zeiten die Grabstelle von F. R. Helmert in einer leicht rekonstruierbaren Form (Topographische Karte) eindeutig zu fixieren, sollen nachfolgend die Koordinaten in Bezug zum Besselīschen Erdellipsoid mitgeteilt werden. Die Geographischen Koordinaten φ = 52° 23' 20.3'' λ = 13° 04' 27.6'' und die Gauß-Krüger-Koordinaten (3° -Streifen) Rechts = 4 573 132m Hoch = 5 806 570 m. Da es wenig sinnvoll war, den zuvor fertiggestellten Gedenkstein zu zerstören bzw.abschleifen zu lassen, sollte ein Standort auf dem Observatoriumsgelände des Telegrafenbergs, dem eigentlichen Tätigkeitsfeld von Helmert, gefunden werden. Die ander Nordseite des ehemaligen Geodätischen Instituts (Haus A 17) vorbeiführende Straße mit leicht ansteigender Böschung bot dafür einen würdigen Platz. Für interessierte Besucher der Einrichtungen des "Wissenschaftsparkes Albert Einstein" ist damit eine gute Gelegenheit gegeben, um auf das Wirken und die Leistung diese genialen Mannes aufmerksam zu machen. Der Deutsche Verein für Vermessungswesen, Landesverein Berlin-Brandenburg e.V. ist als fachlicher Ansprechpartner für Helmerts Grab bei der Stadt Potsdam am 13.01.1997 registriert worden. Quelle: Vermessung Brandenburg Ministerium des Innern des Landes Brandenburg Henning-von-Tresckow-Str. 9-13 14467 Potsdam |
|
|
Seitenanfang |
|
|
|
© FPK GmbH April 2002 |